Aus der Vogelperspektive

RS_Vogelperspektive_w600_h416Zwei Vögel im Gespräch:

“Was ist das für ein Wesen, das einen Greifer hervorstreckt?”

“Ein Mensch, so hörte ich.“

“Der Arme, er kann nicht aus seinem Höhlennest. Wie ist er da hineingekommen?”

“Hineingekommen? Ich hörte, dass er schon immer darin war.“

“Das Ei, aus dem er schlüpfte, sollen seine Eltern in dieses dunkle Gemäuer hinein gelegt haben? Wie grausam!”

“Grausam? Man sagte mir, es sei in fürsorglicher Absicht geschehen.“

“Das kann ich nicht verstehen. Darf er denn niemals lernen, in die Weiten des Himmels zu fliegen?”

“Offenbar nicht. Es heißt, er soll seine Augen schärfen, um die Weiten des Himmels wahrzunehmen. Er soll lernen, die Düfte, die zu ihm dringen, zu unterscheiden, er soll durch Tasten das Begreifen lernen und Zufriedenheit erlangen im Erlauschen der Weltenklänge.“

“Ein merkwürdiges Wesen, das nur geboren wurde, um niemals in Freiheit zu leben.“

“Ich weiß ja nicht, was das Wort Mensch bedeutet. Ich übersetze es mal mit ‘Der stets Sehnsüchtige’.“

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Alle Rechte: RS

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