November auf dem alten Dorffriedhof

Grau bot sich dem Tag der Morgen an.
Die Welt ist nebelverhangen.
Der Nebel schlägt mich in seinen Bann,
mein Herz ist schwer und voll Bangen.

Was zieht mich heut zu den Gräbern hin,
den alten, die längst schon vergessen?
Was gehn mir die Toten nicht aus dem Sinn,
die vor Zeiten das Leben besessen?

Da sind sie, die Gräber, daran einst geweint;
kaum ist noch ein Stein zu erkennen.
Längst hat die Vergänglichkeit alle vereint –
wer mag ihre Namen noch nennen?

Bewuchert, bewachsen von wildem Kraut,
versunken fast in der Erde.
Dort blüht noch ein Röslein, nebelbetaut,
ein Zeichen für Stirb und Werde.

Auf einmal fall´n durch der Bäume Geäst,
durch die herbstlich entlaubten, kahlen,
wie zu einem fröhlichen Lebensfest
ein paar goldene Sonnenstrahlen.

Und plötzlich liegt´s wie ein heller Schein
über dem uralten Grabe,
als ob aus dem längst verfallenen Schrein
es ein Zeichen gegeben habe.

Da spür ich das unbenennbare Glück:
Ich lebe! Sie sind längst verblichen.
Und leichter geh ich den Weg zurück.
Da ist auch der Nebel gewichen.

Alle Rechte: CS (1998)

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