Kirke

Kirke ist nach der griechischen Mythologie eine Zauberin auf der Insel Alaia (übersetzt: „Klagen“).  Von ihren Dienerinnen umgeben, bewohnt sie in einer Waldlichtung eine Villa – und genießt das Leben. Wehe aber, es kommen Besucher auf die Insel. Zu damaliger Zeit waren dies insbesondere Männer – die sich von dem holden Weib mit den ihnen verborgenen Kräften becircen ließen. Homer berichtet von seiner Reise:


Und das Los des beherzten Eurylochos sprang aus dem Helme.
Dieser machte sich auf mit zweiundzwanzig Gefährten;
Weinend gingen sie fort, und verließen uns traurend am Ufer.
Und sie fanden im Tal des Gebirgs die Wohnung der Kirke,
Von gehauenen Steinen, in weitumschauender Gegend.
Ihn umwandelten rings Bergwölfe und mähnichte Löwen,
Durch die verderblichen Säfte der mächtigen Kirke bezaubert.
Diese sprangen nicht wild auf die Männer, sondern sie stiegen
Schmeichelnd an ihnen empor mit langen wedelnden Schwänzen.
Also umwedeln die Hunde den Hausherrn, wenn er vom Schmause
Wiederkehrt; denn er bringt beständig leckere Bissen:
Also umwedelten sie starkklauige Löwen und Wölfe.
Aber sie fürchteten sich vor den schrecklichen Ungeheuern.
Und sie standen am Hofe der schöngelocketen Göttin,
Und vernahmen im Haus anmutige Melodieen.
Singend webete Kirke den großen unsterblichen Teppich,
Fein und lieblich und glänzend, wie aller Göttinnen Arbeit.
Unter ihnen begann der Völkerführer Polites,
Welcher der liebste mir war und geehrteste meiner Genossen:
Freunde, hier wirket jemand, und singt am großen Gewebe
Reizende Melodieen, daß rings das Getäfel ertönet;
Eine Göttin, oder ein Weib; wir wollen ihr rufen!
Also sprach Polites; die Freunde gehorchten, und riefen.
Jene kam, und öffnete schnell die strahlende Pforte,
Nötigte sie; und alle, die Unbesonnenen, folgten.
Nur Eurylochos blieb, denn er vermutete Böses.
Und sie setzte die Männer auf prächtige Sessel und Throne,
Mengte geriebenen Käse mit Mehl und gelblichem Honig
Unter pramnischen Wein, und mischte betörende Säfte
In das Gericht, damit sie der Heimat gänzlich vergäßen.
Als sie dieses empfangen und ausgeleeret, da rührte
Kirke sie mit der Rute, und sperrte sie dann in die Köfen.
Denn sie hatten von Schweinen die Köpfe, Stimmen und Leiber,
Auch die Borsten; allein ihr Verstand blieb völlig, wie vormals.
Weinend ließen sie sich einsperren; da schüttete Kirke
Ihnen Eicheln und Buchenmast, und rote Kornellen
Vor, das gewöhnliche Futter der erdaufwühlenden Schweine.

(zitiert nach Projekt Gutenberg)

Ja, „beCIRCEn“ leitet sich via Latein tatsächlich von jener sagenumwobenen Insulanerin ab.

Nein, kein Besucher dieser Insel im Datennetz wird von der Lektüre zum Tier verwandelt werden … stöbern Sie, lasst Euch auf die Texte und Bilder ein, genießt den Wein, der Euch von den Autoren eingeschenkt wird.

Kirke
(E-Mails bitte an: lite ra tur@kirke.de [natürlich ohne die Spam-Schutz-Leerzeichen])

Print Friendly

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.