Das Testament – oder: Die Frau ist der Schlüssel

 

RS_Das-Testament_w600_h469Ein uraltes Gemäuer hält verborgen, was vor uns gelebt hat; hält verschlossen, was vor dem Vergehen bewahrt werden will, bis einmal – und das ist heute – die Erben in rechtmäßigen Besitz nehmen sollen.

Wir wurzeln in der Vergangenheit. Und der Tag kommt für jeden, an dem die Erkenntnis des Woher und Wohin – woher ich komme und wohin es mit mir geht – angeboten wird, zur Forderung reift und es an uns liegt, einen rechten Gebrauch davon zu machen.

Er: “Halte mal das Testament solange und lies vor, was wichtiges drinsteht.”

Sie: “Also, hier hinter dieser alten Tür liegt Opas Erbschaft. Zuerst muss du das Schloss öffnen.“

Er: “Ist doch klar! Für mich eine Kleinigkeit. Habe dafür alles bei mir. Das werden wir gleich haben.“

Sie: “Das Schloss darf aber nicht beschädigt werden, steht hier.“

Er: “Wenn schon, Hauptsache, wir kommen rein. Und ich,” auf seine geschwellte Brust zeigend, “dieser Mann hier, der starke Erwin, ist bisher überall reingekommen, wenn er nur wollte.“

Sie: “Wir müssen das Testament genau lesen und alles beachten. Die Bedingung ist: ‘Ohne Gewalt’.“

Er: “Hier gibt’s nur eines für mich: Bedingungslos rein.”

Sie: “Hör doch mal, was hier geschrieben steht: ‘Ohne Beschädigung des Schlosses’! Das geht nur mit einem Schlüssel. Mehr darf ich nicht sagen. Aber ich könnte dir dabei helfen!”

Er: “Helfen, du? Das ist Männersache – solche schwere alte Tür. Sicher alles verrostet, das ist nichts für zarte Frauenhände. Im Testament steht auch, dass ich, der Enkel Erwin Krafft, eigenhändig das verdammte Schloss öffnen muss.“

Sie: “Richtig, leider darf ich dabei nichts tun, nur dir das Testament vorlesen, das ist die Bedingung. Ich weiß aber auch, dass bei mir die Lösung liegt. Mehr darf ich nicht sagen. Bitte, schau doch mal mich an.“

Er: “Wenn du nichts dabei tun darfst, dann halte dich auch daraus und überlasse alles mir. Wäre doch gelacht, wenn der starke Erwin das nicht schaffen würde.“

Sie: “Ach, wenn du dich doch nur ein Mal zu mir umdrehen würdest, mich genau zu betrachten!”

Er: “Jetzt langt es aber. Ich soll mich jetzt auch noch mit dir beschäftigen? Das tue ich, wenn ich mit der Arbeit fertig bin, du Süße. Schluß mit dem Palaver. Jetzt geht Erwin zum Angriff über – Hau ruck!”

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 Alle Rechte: RS

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