03 Ein Maskenspiel

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RS_Ein-Maskenspiel_w600_h373Für den Rentner Friedrich Brummel geht ein heiterer Frühlingstag zu Ende. Er will ihn mit einem Spaziergang beschließen, die milde Maienluft und die am klaren Himmel ausgebreitete Abendröte genießen. Nachbar Knorz läuft ihm dabei über den Weg.

Der beginnt einen Klagegesang anzustimmen.

Und damit ihm Brummel auch zuhören muss und nicht weglaufen kann, behält er Friedrichs Begrüßungshand mit seinen beiden dicken Pratzen fest umspannt.

“Hallo Herr Nachbar. Was ich wieder mit meinem Sohn erleben muss, ist doch allerhand! So kann man doch nicht mit seinem alten Vater umgehen! Nein, muss ich mich mal wieder aufregen! Dahinter steckt sie! meine Schwiegertochter. Ist ja nicht das erste Mal!”

Herr Brummel will begütigen. Er möchte sich die friedliche Abendstimmung nicht verderben lassen.

“Lieber Herr Knorz, so beruhigen Sie sich doch. Ihr Sohn lebt nun mal mit dieser Frau zusammen. Sie sind doch recht glücklich miteinander, so haben Sie mir erzählt. Und er wird es sicher nicht so bös gemeint haben.”
“Das denken S i e ! Das Weib hat ihn aufgehetzt und nun geht es aber los – der alte Vater kann sich ja nicht wehren! Da wird zugeschlagen, rücksichtslos. Das regt mich auf – das macht mich wütend!”

Herr Brummel will nicht aufgeben, die Wogen zu glätten.

“Sicher scheint Ihnen das alles nur so. Es wird sich schon alles wieder einrenken.”

“Nichts wird sich da wieder… und halten Sie endlich die Klappe!!! Ich will mich aufregen – jawohl, ich will wütend sein. Das tut gut! So richtig in Rage sein, da kann man sich gesund schwitzen! Die sollen – denen werde ich – die werden sich noch umschauen, ich kann auch anders!!!!”

Nun gut, denkt Herr Brummel, wenn ich schon keinen Text in diesem Theaterstück, das Nachbar Knorz so leidenschaftlich in Szene setzt, haben soll, so mache ich aus dem mir zugewiesenen stummen Part für mich das Beste draus – ich gestalte ihn zu einem Maskenspiel.

Ich halte mir eine Maske vor mein Gesicht und verberge und schütze mich vor zudringlichen Grobheiten.

Mit dieser Lösung des Konfliktes ist Herr Brummel sehr zufrieden. Die weitere Handlung kann ihren Lauf nehmen wie sie will, es kann ihm gleich sein, was Herrn Knorz noch einfallen könnte. Friedrich nimmt den Kontakt mit der milden Abendluft, den singenden Vöglein und dem Sonnenuntergang wieder auf und ist glücklich.

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Alle Rechte: RS

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